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Burggeschichte …zur Geschichte der Katlenburg
(von Heimatpflegerin
Dr. Birgit Schlegel) Die Katlenburg ist ein kleiner Ort mit einer großen Geschichte. Dies möchte ich Ihnen an einigen Beispielen erläutern. Grafenzeit Die Zeit der höchsten Bedeutung der Katlenburg war das hohe Mittelalter. Schon im Jahre 1002 n. Chr. Geburt lebten hier zwei hohe Adelige, die Brüder Heinrich und Udo. Sie stammten väterlicherseits von den Grafen von Stade. Die Nachfahren von Udo mit den Namen Dietrich I., II. und III. und sie selbst bilden das Geschlecht der Grafen von Katlenburg. Gelegentlich kommt auch die Bezeichnung „Graf von Einbeck“ vor, denn auch in dieser Stadt hatten sie einen Sitz. Außerdem stiftete Graf Dietrich II. in Einbeck das Kloster St. Alexander. Im Verlauf von gut 100 Jahren - im Jahre 1106 starb nämlich der letzte Graf ohne Kinder - behielten die Grafen von Katlenburg ihre überregionale Bedeutung. Das zeigt sich einmal an der Teilnahme des Grafen Dietrich II. an dem Aufstand des sächsischen Adels gegen Kaiser Heinrich IV. Der Katlenburger Graf griff hier zusammen mit anderen Adeligen unmittelbar in die Reichspolitik ein. Ein anderer Hinweis auf die Beutung gerade dieses Grafen ist die Tatsache, dass er Münzen mit seinem Namen prägen ließ. Das Münzregal verlieh der Kaiser - von ihm hatte das in unserer Gegend der Bischof von Magdeburg erhalten, der in Gittelde prägen ließ. Doch nach 1080 kamen Münzen in Umlauf, die auf der Rückseite die Türme des Magdeburger Doms zeigten. Auf der Vorderseite aber war ein Kopf abgebildet mit dem Namen „Theodericus“, die lateinische Form von Dietrich. Graf Dietrich II. und später auch sein Sohn Dietrich III. haben also eigene Münzen geprägt. Auch Graf Dietrich III. griff in die Reichspolitik ein, denn im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn (später Kaiser Heinrich V.) stellte er sich auf die Seite des Sohnes. In diesen Kämpfen starb er 1106 bei Köln. Er ist in der Krypta der Kirche begraben. Vor seinem Tod stiftete er auf der Stelle der Burg im Jahre 1105 das St. Johannes Kloster. Die bei diesem Vorgang ausgestellte Urkunde ist der Anlass für die 900-Jahrfeiern von Katlenburg, Berka, Gillersheim und Wachenhausen. Klosterzeit in Kloster war in der damaligen Zeit in unserer Gegend recht häufig anzutreffen: Es gab Klöster in Osterode, Northeim, Wiebrechtshausen, Fredelsoh, um nur einige zu nennen. Sie waren religiöse Zentren und kulturelle Träger. Im Kloster Katlenburg lebten zuerst Augustiner Chorherren, später Chorfrauen, die ihr Leben Gott geweiht hatten. Klöster hatten durch vielfache Schenkungen auch umfangreichen Grundbesitz zu verwalten. Beim Katlenburger Kloster reichte er ursprünglich bis in die Gegend von Stade und in die Nähe von Braunschweig. Das Katlenburger Kloster war aber vor allem Grundherr für vielfältigen Besitz in der Umgebung. Dieser führte zur wertvollsten Hinterlassenschaft des Katlenburger Klosters. Zur Zeit der Bauernunruhen nach 1517 drohten diese von Thüringen bis in unser Gebiet überzugreifen. Deshalb ließ die damalige Äbtissin den Auftrag geben, sämtliche Ländereien und Rechte aufzuschreiben. Dieses „Katlenburger Klosterbuch“ hat sich bis heute im Staatsarchiv Hannover erhalten und ist durch eine sorgfältige Herausgabe auch gedruckt erhältlich. Die Reformation brachte das Ende des Klosters. Fürstenzeit Im Jahre 1560 zog der Fürstensohn Philipp v. Grubenhagen, einem welfischen Teilfürstentum, in die Gebäude auf dem Burgberg ein und brachte seine junge Frau Klara von Wolfenbüttel mit. Sie ließen die mittelalterlichen Klostergebäude zu einem Renaissance-Schlösschen umbauen, in dem sie 35 Jahre lang lebten. Die Katlenburg wurde zu einer grubenhagenschen Nebenresidenz. Philipp war ein geschickter Feldherr und hatte europäische Beziehungen. Amtszeit Nach dem Wegzug von Philipp und Klara nach Herzberg (1595) wurde das Schlösschen von einem Amtmann bewohnt; es wurde im Jahre 1626 völlig zerstört, später aber wieder aufgebaut. Aus dem Klosterbesitz entstand das Amt Katlenburg mit den Dörfern Duhm (alter Name für das Dorf Katlenburg), Berka, Gillersheim, Wachenhausen und Suterode. Der Amtmann war im Namen des Landesherrn Verwalter und Gerichtsherr, außerdem war er auch für die Bewirtschaftung des Amtshofes zuständig. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde für ihn ein neues Amtshaus gebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden weitere Gebäude auf dem Amtshof. Die Zeit der Amtleute auf der Katlenburg dauerte von ca. 1555 bis 1832. Dann ging das Amt in dem neuen Amt Katlenburg-Lindau auf. Der Amtssitz wurde bis 1859 nach Lindau verlegt. Domänenzeit Schon vorher, nämlich im Jahre 1819, wurden die Rechtssprechung und die Verwaltung von der Bewirtschaftung des Amtshofes getrennt. Letzterer wurde zu einer königlichen Domäne, die von einem Domänenpächter mit Hilfe zahlreicher Leute bewirtschaftet wurde. Der erste Domänenpächter muss ein Pferdeliebhaber gewesen sein. Schon in den 1820er Jahren ließ er einen neuen Reitpferdestall errichten. Und die Pferde brauchten Bewegung auch bei schlechtem Wetter, deshalb entstand im Jahre 1833 eine Reithalle. Sie ist die erste solcher Hallen in Niedersachsen, die von einem Privatmann gebaut und benutzt wurde. Für die weitere Geschichte des Burgberges hier nur einige Schlagwörter: Staatliche Domäne bis 1950 Aussiedlerschulen bis 1963 Abtrennung eines kirchlichen Teils 1955 Freizeit- und Bildungsstätte der Schreberjugend seit 1964 Burgbergschule seit 1974 und Sporthalle seit 1975
Bildungsstätte, Gästehaus und Hotel- Restaurantbetrieb unter Leitung der
Eichsfelder Hütte gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Gästehäusern
mbH. Seit dem 01.01.2008. Hinweis: Im Jahre 2004 ist von der Verfasserin Frau Dr. Birgit Schlegel eine ausführliche Ortsgeschichte herausgegeben worden, erhältlich in der Gemeindeverwaltung Katlenburg-Lindau oder über www.meckedruck.de; dort auch eine Inhaltsübersicht.
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